Nervenkitzel und Triumph bei EM im Bankdrücken

Zwei Athleten des HSV Langenlebarn, Thomas Wetzstein und Andreas Frasl, zeigten bei der diesjährigen Equipped Europa Meisterschaft im Bankdrücken in Valletta, Malta, herausragende Leistungen und sorgten für Gänsehautmomente. Während sich der eine nach einer Verletzungspause zurückkämpfte, krönte sich der andere mit einem neuen Europarekord zum Champion.

Die Anspannung im Double Tree by Hilton Hotel in Valletta war vom 22. bis 28. September 2025 förmlich greifbar, als die besten Bankdrücker Europas um die begehrten Medaillen kämpften. Mitten unter ihnen zwei Kraftpakete vom HSV Langenlebarn: Thomas Wetzstein und Andreas Frasl, die beide auf ihre ganz eigene, dramatische Weise auf sich aufmerksam machen sollten.

Wetzsteins dramatischer Kampf um Silber

Für Thomas Wetzstein stand die Teilnahme unter keinem guten Stern. Eine Operation am Ellbogen kurz nach der Weltmeisterschaft in Drammen, Norwegen, zwang ihn zu einer nur sechswöchigen, stark eingeschränkten Vorbereitung. Ohne eine einzige schwere Trainingseinheit oder das wichtige Training im unterstützenden Wettkampf-Shirt reiste er nach Malta – der Wille, es noch einmal zu wissen, war jedoch stärker.

In der Masters-2-Klasse bis 105 kg traf er auf ein hochkarätiges Feld, angeführt vom Tschechen Ghazal Khaled und dem Deutschen Mario Schurr. Wetzstein ließ im Erstversuch selbstbewusst 245 kg auflegen. Souverän drückte er das Gewicht, doch der Versuch wurde zunächst für ungültig erklärt. Erst nach einer eindringlichen Urgenz des österreichischen Nationaltrainers Dominic Wetekam gaben die Kampfrichter den Versuch gültig. Mit dieser Leistung setzte sich Wetzstein an die Spitze des Feldes.

Beflügelt von diesem Auftakt, steigerte er mutig auf 252 kg, um seinen Vorsprung auszubauen, scheiterte jedoch in den beiden folgenden Versuchen an dieser Last. Sein Konkurrent Khaled hingegen bewies Nervenstärke. Nachdem auch er im zweiten Versuch gepatzt hatte, mobilisierte er im alles entscheidenden dritten Durchgang seine letzten Kraftreserven und bewältigte 247,5 kg. Mit diesem Kraftakt schob er sich an Wetzstein vorbei und sicherte sich Gold. Mario Schurr versuchte im letzten Versuch noch mit 255 kg nach dem Titel zu greifen, scheiterte aber knapp. Für Thomas Wetzstein blieb nach einem wahren Krimi die Silbermedaille – ein starkes Comeback und ein Beweis seines unbändigen Kampfgeistes nach einer alles andere als optimalen Vorbereitung. Diese Medaille reiht sich in eine beeindruckende Sammlung von nun vier WM-Gold-, zwei WM-Silber-, einer WM-Bronze-, vier EM-Gold-, zwei EM-Silber- und zwei EM-Bronzemedaillen ein.

Frasls goldener Moment für die Ewigkeit

Für seinen Kader- und Vereinskollegen Andreas Frasl sollte diese Europameisterschaft zu einem weiteren Meilenstein seiner beeindruckenden Karriere werden. Nach einem von Reisestrapazen und suboptimaler Vorbereitung geprägten Vorjahr, wollte er es heuer wissen. Der mutige Wechsel auf ein neues Bankdrückshirt Anfang des Jahres und eine akribische Vorbereitung, die ihn bereits zum Vize-Weltmeistertitel in Norwegen geführt hatte, sollten sich auch auf Malta auszahlen. Sein großes Ziel: der dritte Europameistertitel in der offenen Klasse.

Doch der Wettkampf begann mit einem Schockmoment. Bei seinem Anfangsversuch rutschte ihm beim Hochdrücken der rechte Fuß weg, er verlor die Balance und der Versuch wurde ungültig gegeben. Sein Konkurrent Shablii Mykhailo aus der Ukraine ging mit 180 kg in Führung. Doch Frasl ließ sich nicht beirren. Im zweiten Versuch passte das Setup perfekt und die 232,5 kg flogen förmlich nach oben. Mit dieser Demonstration der Stärke übernahm er nicht nur die Führung, sondern stellte auch seinen eigenen Masters-1-Europarekord ein.

Im dritten Durchgang scheiterte sein ukrainischer Konkurrent erneut, und Andreas Frasl forderte sage und schreibe 240 kg auf die Hantel. Es wurde still in der Halle. Nach dem Startkommando senkte er das Gewicht kontrolliert zur Brust ab. Für den Bruchteil einer Sekunde schien die Last erdrückend. Doch dann, befeuert von der Musik in der Halle, kämpfte er sich Zentimeter für Zentimeter nach oben. Als das erlösende „Ab“-Signal ertönte und die Kampfrichter den Versuch mit 3:0 gültig werteten, brachen alle Dämme. Ein Aufschrei des Jubels ging durch die Halle und Frasl selbst konnte sein Glück kaum fassen.

Es war nicht nur Gold und sein dritter Europameistertitel in der offenen Klasse, sondern auch ein neuer Masters-1-Europarekord. Mit dieser phänomenalen Leistung sicherte er sich zudem den zweiten Platz in der Relativwertung aller Herren. Ein Traum war wahr geworden, der zeigt, wie sich Disziplin, hartes Training und Zielstrebigkeit auszahlen. Frasls beeindruckende Bilanz zählt nun eine WM-Gold-, zwei WM-Silber-, eine WM-Bronze-, drei EM-Gold- und eine EM-Bronzemedaille.

Seinen Dank richtete der frischgebackene Europameister an sein gesamtes Team – vom Verband über Trainer, Coach, Familie und Freunde bis hin zum Masseur – die diesen außergewöhnlichen Erfolg erst möglich gemacht haben.

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